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DGB: Die Herausforderungen am Arbeitsmarkt bleiben


Duisburg, 05.01.2019
„Die positive konjunkturelle Entwicklung und der Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt sind auch bei uns in Duisburg angekommen, wir haben mehr sozialversicherte Beschäftigung. Der seit 2015 geltende gesetzliche Mindestlohn, für dessen Einführung als Lohnuntergrenze die Gewerkschaften erfolgreich gekämpft haben, ist zum 1. Januar von 8,84 € auf 9,19 € gestiegen. Das zeigt, dass er seinen Sinn und Nutzen bewiesen hat. Viele Gegner hatten Massenarbeitslosigkeit und Abwanderung von Unternehmen vorausgesagt, diese Unkenrufe haben sich eindeutig nicht bestätigt.“ betont Angelika Wagner, DGB-Vorsitzende in Duisburg.

„Aber wir haben mit 10,6% auch noch immer die höchste Arbeitslosenquote in NRW. Im Ruhrgebiet beträgt die Quote 8,9% und in NRW 6,4%. Der Zuwachs der Beschäftigung ist bei uns überdurchschnittlich hoch in der Leiharbeit. Vollzeitbeschäftigung ist weniger angestiegen, Teilzeitbeschäftigung dafür umso mehr. Der höchste Anstieg ist in der Altersgruppe der 65-Jährigen und älteren zu verzeichnen, hier stieg die Beschäftigung um 12,2%. Bei der Altersgruppe der 25-55-Jährigen gab es nur einen Anstieg um 1,2%. Noch immer sind 11.900 Duisburgerinnen und Duisburger langzeitarbeitslos, und über 50.000 Menschen in unserer Stadt gelten als erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Sie sind auf Leistungen angewiesen, gelten aber nicht als arbeitslos. Viele gehen arbeiten, ihr Einkommen genügt jedoch nicht, um sich oder gar ihre Familie davon zu versorgen. Wir brauchen dringend eine höhere Tarifbindung. Und der Staat als größter Auftraggeber muss dafür sorgen, dass er seine Aufträge nur an tarifgebundene Unternehmen vergibt. Wir brauchen mehr Kontrollen zu Einhaltung von Mindestlohn und sozialen Standards, wie die Kontrollen des vergangenen Jahres und die festgestellten Verstöße belegen. Und dafür brauchen wir mehr Personal.“

Der DGB weist darauf hin, dass die Ausbildungssituation in Duisburg im Zusammenhang mit der Fachkräftedebatte eine weitere Herausforderung bleibt. „Es gibt einen Zuwachs bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, von 2.937 auf 3.051 im abgeschlossenen Jahr.“, so Wagner weiter. „Jedoch ist auch die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber gestiegen, um 100 auf 3.800. Das heißt, dass sich weiterhin über 700 junge Menschen vergeblich um einen Ausbildungsplatz beworben haben. Dass bei uns in Duisburg die Zahl der Ausbildungsplätze im Handwerk und im öffentlichen Dienst zurückgegangen sind, erstaunt uns. Im Land und Bund sind in diesen Bereichen die Plätze angestiegen. Und da Fachkräfte gebraucht werden, ist das die einzige Option! Ausbildung ist für Betriebe eine Investition, die sich auszahlt, und für junge Menschen das wichtigste Mittel, um spätere Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Sozialleistungen zu verhindern.“

Das neue Teilhabechancengesetz und das Qualifizierungschancengesetz wird vom DGB begrüßt. „Das Teilhabechancengesetz erlaubt es, Langzeitarbeitslose beim Einstieg in das Berufsleben stärker zu fördern. Der so genannte Soziale Arbeitsmarkt bietet für viele Langzeitarbeitslose eine Chance, auf die sie lange gewartet haben.“ sagt Angelika Wagner weiter. „In der Regel sollen die Jobcenter die Menschen nun erst einmal mit einem intensiven Coaching auf die neuen Möglichkeiten vorbereiten. Generell wird das Thema Qualifizierung eine große Rolle spielen. Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten, stellt sowohl Beschäftigte als auch Arbeitssuchende vor Herausforderungen. Wir werden uns aktiv einbringen in die Nutzung bestehender und Weiterentwicklung zukünftiger Quailfizierungsangebote. Und wir möchten Schwerpunkte setzen: wenn wir in der aktuellen Statistik feststellen müssen, dass die meisten offenen Stellen in Duisburg im Bereich Verkehr, Logistik und Sicherheit gemeldet sind, nämlich 1.092 Stellen, aber gleichzeitig auch die meisten Arbeitslosen in diesem Bereichen gemeldet sind, und zwar 10.500 Arbeitslose, dann muss hier gezielter vermittelt, gegebenenfalls nachqualifiziert werden. Denn gerade bei uns, wo Logistik eine so wichtige Rolle spielt, müssen wir hier den Arbeitssuchenden bessere Chancen bieten können.“