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Handwerkskammer: 93 Prozent mehr Fliesenleger-Betriebe in zehn Jahren

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Immer mehr Fliesenleger ohne Meisterbrief arbeiten als Ein-Mann-Betriebe – zulasten von Qualität und Ausbildung. Die IG BAU fordert eine Rückkehr zur Meisterpflicht in dem Handwerk.
©IG BAU
Pressemitteilung 2017

Qualität im Handwerk sichern: Ein „klares Bekenntnis zum Meisterbrief“ fordert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) von den Bundestagskandidaten in Duisburg und am Niederrhein. Hintergrund sind Pläne der EU-Kommission: Sie will die Zugangsvoraussetzungen in Handwerksberufen europaweit angleichen. Darunter würden Qualität und Ausbildung leiden, befürchtet IG BAUBezirksvorsitzende Karina Pfau. Meisterbetriebe in der Stadt wären besonders betroffen.

„Wohin der Abbau von Standards führen kann, zeigt sich im Fliesenlegerhandwerk“, so Pfau. Mit der Novelle der Handwerksordnung im Jahr 2004 wurde hier die Meisterpflicht abgeschafft. Allein seit 2006 ist die Zahl der Fliesenleger-Betriebe im Bereich der Handwerkskammer Düsseldorf von 3.043 auf 5.874 im letzten Jahr angestiegen – ein Zuwachs von 93 Prozent. „Immer mehr Ein-Mann-Betriebe buhlen um Aufträge. Qualität und Ausbildung bleiben aber oft auf der Strecke“, kritisiert die Gewerkschafterin.

Sollte der Trend die ganze Baubranche erfassen, drohe eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels. Denn die Handwerksmeister seien die tragende Säule der Berufsausbildung. Neue Zahlen der Handwerkskammer Düsseldorf nennt Pfau deshalb „beunruhigend“: Lediglich 140 bestandene Meisterprüfungen im Bau- und Ausbaugewerbe zählte die Kammer im vergangenen Jahr. Der Lehrlingsbestand in der Branche ging im Zehn-Jahres-Vergleich um 30 Prozent auf zuletzt 2.924 Azubis zurück.

Die IG BAU ruft die heimischen Bundestagskandidaten auf, sich für den Erhalt der Meisterpflicht im Handwerk einzusetzen. Bei den Fliesenlegern müsse sie dringend wieder eingeführt werden, so die Gewerkschaft.